Weniger Mitglieder und finanzielle Nöte: Wie geht es weiter mit der Kirche St. Thomas in Bohmte?
Der Kirche St. Thomas in Bohmte stehen schwierige Jahre bevor. Es sind Investitionen geplant, deren finanzielle Tragbarkeit noch in den Sternen steht. Aus diesen Gründen fand nun eine Gemeindeversammlung statt. Das Ziel: gemeinsam versuchen, die Zukunft der Kirche zu sichern.
Sowohl die evangelischen als auch katholischen Kirchen erleben in Deutschland aktuell schwere Zeiten. Neben dem Rückgang der Mitgliederzahlen leiden sie unter dem Gesellschaftswandel wie kaum eine andere Institution. Dies schlägt sich auch in der Kirche St. Thomas in Bohmte nieder. Wie kann man als einzelne Kirche etwas dagegen tun? Eine Gemeindeversammlung mit dem Titel „Wie lassen wir die Kirche im Dorf?“ sollte dafür Anreize schaffen.
Die Mitgliederzahlen sinken
Für Pastor Hartmut Weinbrenner hat sich die Situation in der Thomaskirche seit seinem Amtsantritt 2010 deutlich verändert: „Damals hatten wir noch etwa 3000 Mitglieder, jetzt sind es nur noch 2350“, berichtete er. Durch die sinkende Mitgliederzahl verringern sich auch die Mittel des Kirchenkreises, der diese proportional nach der Zahl der Gemeindeangehörigen verteilt.
Allein die Heizkosten, die auch das schlecht isolierte Kirchengebäude betreffen, belaufen sich jährlich auf etwa 12.000 Euro. Hinzu kommen weitere Investitionen in den nächsten Jahren. „Neben einer neuen Orgel und der Sanierung des Kirchendachs denken wir auch darüber nach, wie wir als Kirchengemeinde durch eine Wärmepumpe oder Photovoltaikanlagen klimaneutral werden können“, erklärte der Pastor.
Auch wenn es laut Weinbrenner noch deutlich stärker betroffene Gemeinden im Kreis Osnabrück gebe und man trotz negativer Prognose im Jahr 2025 keine roten Zahlen schreiben musste, sei es nun Zeit zu handeln: „Es wird trotz unserer starken Gemeinde nicht immer so gut weitergehen, wenn wir keine Änderungen herbeiführen.“ Ohne weitere Einsparungen, wie die Loslösung von der hauseigenen Band im letzten Jahr, könne das nicht geschehen.
Wer hat gute Vorschläge?
Bevor die Anwesenden in einer Murmelphase über mögliche Ideen diskutieren konnten, stellte Pastor Hartmut Weinbrenner noch selbst einige Gedanken vor. So könnte er sich vor allem vorstellen, über Fundraising-Aktionen Spenden aller Bohmter, also auch derer, die nicht der Kirchengemeinde zugehörig sind, zu sammeln. Außerdem wären auch Einnahmen durch Vermietung denkbar, da aufgrund des Rückgangs in der Bohmter Gastronomie Kapazitäten verfügbar werden.
Das größte Problem liege für ihn aber gar nicht mal direkt in den Finanzen, sondern bei einer ganz grundlegenden Glaubenskrise unserer Gesellschaft: „Waren die 1950er- und 1960er-Jahre noch geprägt von Zusammenhalt und Gemeinschaft, leben wir heute alle in unseren eigenen Blasen und sprechen nicht mehr miteinander.“ Ziel sei es, die Kirche wieder als Raum des Zusammenkommens zu sehen, durch den man aus seinen Blasen herauskommen kann.
Die Ideen sind zahlreich
Nachdem man sich ausgetauscht hatte, kamen einige Vorschläge zum Vorschein. Ein Gedanke war die Motivation zu mehr Eigenleistung der Mitglieder. Angesichts der komplexen Bauvorhaben ist eine Beauftragung von Firmen aber unausweichlich. Deshalb kommt vor allem Spendenaufrufen größere Bedeutung zu. „Dabei sollten wir dies nicht wie früher mit einem Klingelbeutel tun, sondern mehr auf den Erhalt der Kirche als zentralen Ort aufmerksam machen“, lautete eine Idee. Aber auch die langfristige Bindung von Kräften aus dem Nachwuchs sei wichtig, um einen Generationenwechsel herbeizuführen, vor dem im Übrigen auch viele andere private Vereine stehen.
Neben Theater- und Musikgruppen oder gemeinsamen Themenkochabenden gibt es auch die Idee, Pickert zu verkaufen: „Das könnte man in festgelegten Abständen oder nach dem Gottesdienst machen, da das süße Gebäck bei den Bohmtern sehr beliebt ist“, schlägt Hildegard Sundmäker vor. Ebenso in der Öffentlichkeitsarbeit könnte man noch dazulernen.
Es kommt auch Kritik auf
Neben diesen positiven Aspekten wurden auch kritische Punkte zum Thema. Neben einer Kosteneinsparung auf der Verwaltungsebene der Landeskirche, die schon auf der Kirchenkreissynode Thema war, ging es hier vor allem um Einnahmen durch eine mögliche Vermietung an die Gruppen in der Gemeinde. Während einige dies befürworteten, hielten andere das für den falschen Schritt: „Gerade die Kirche hat doch den Vorteil, dass sie die Räume günstiger zur Verfügung stellen kann, was auch unsere soziale Seite ausmacht“, so Pastor Weinbrenner.
Letztlich stecke große Hoffnung vor allem in dem gerade frisch gegründeten Förderverein Rettungsanker, der das Überleben der Kirche St. Thomas weiterführend planen soll. Wer dort mithilft, könne dazu beitragen, der Kirche wieder zu mehr Relevanz zu verhelfen und so den Erhalt der Gemeinschaft zu fördern.
Bericht und Fotos wurden uns freundlicher Weise zur Verfügung gestellt von: Jannik Sommerfeld – Mitarbeiter NOZ